wortbaukasten
un-
Deutsch · Praefix
un- — nicht (Verneinungspartikel)

un- bedeutet verneint das Grundwort und stammt vom deutschen un-.

einfach_belegt Belege: DWDS/Pfeifer Stand: 2026-07-12

Bedeutung und Herkunft

un- ist die wichtigste Verneinungssilbe des Deutschen, und sie ist uralt. Sie geht auf die indogermanische Tiefstufe der Verneinungspartikel zurück, die auch im griechischen a- und im lateinischen in- steckt, und ist damit über Jahrtausende dieselbe geblieben: ein kleines Zeichen, das ein Wort in sein Gegenteil kippt.

Die häufigste Aufgabe von un- ist die schlichte Verneinung. Unmöglich ist, was nicht möglich ist, unbekannt, was man nicht kennt, unschön, was nicht schön ist. Hier tut das Präfix nichts weiter, als das Grundwort zu verneinen, klar und ohne Nebenton.

Daneben drückt un- einen Gegensatz aus, der oft eine Wertung mitträgt. Ein Unglück ist nicht bloß das Fehlen von Glück, sondern sein Widerspiel, ein Unkraut nicht einfach kein Kraut, sondern unerwünschtes Kraut. In solchen Wörtern schwingt eine Abwertung mit, die im einfachen nicht noch nicht liegt.

Eine dritte Linie führt noch weiter weg von der reinen Verneinung, nämlich zur Pejoration. Ein Unmensch ist kein Nicht-Mensch, sondern ein schlechter, grausamer Mensch. Hier verneint un- nicht mehr, es verurteilt. Pfeifer führt diese Bedeutung eigens an, weil sie sich vom Ausgangspunkt deutlich entfernt hat.

Am überraschendsten ist die vierte: die Steigerung. Eine Unsumme ist keine Nicht-Summe, sondern eine sehr große Summe, eine Unzahl eine übergroße Zahl, eine Unmenge sehr viel. Aus der Verneinung ist hier eine Verstärkung geworden, weil das Maßlose sich der Norm entzieht und damit gewissermaßen jenseits von ihr liegt.

Wer un- benutzt, sollte also kurz prüfen, welche der vier Kräfte gerade wirkt. Meistens ist es die einfache Verneinung, aber gerade bei Substantiven kann un- werten oder steigern. Das griechische Gegenstück ist das a-privativum, wie in atypisch oder asymmetrisch, das lateinische ist in-, wie in inaktiv. Alle drei tun im Kern dasselbe: Sie stellen ein Nein vor das Wort.

Bemerkenswert ist, wie ungebremst produktiv un- bis heute ist. Man kann es an fast jedes Adjektiv setzen und wird verstanden, auch bei Neubildungen wie unkaputtbar oder ungoogelbar, die in keinem Wörterbuch stehen und trotzdem sofort klar sind. Diese Freiheit hat aber Grenzen. Zu manchen Wörtern passt un- nicht, weil bereits ein festes Gegenwort danebensteht: Das Gegenteil von gut ist schlecht, nicht ungut, und ungut meint etwas Drittes, ein mulmiges Gefühl. Im Deutschen trägt un- außerdem meist den Ton, es wird betont, und das unterscheidet es hörbar von den unbetonten Vorsilben be- und ge-. Diese Betonung ist übrigens ein guter Test: Wo un- den Ton trägt, ist es die Verneinungssilbe, und wo nicht, steckt oft ein ganz anderer Wortanfang dahinter, wie in Unterricht oder Ungarn.

Beispielwörter

unmöglich
un + möglich
einfache Verneinung
unbekannt
un + bekannt
Unglück
un + glück
Gegensatz mit Wertung
Unkraut
un + kraut
unerwünschtes Kraut, nicht Nicht-Kraut
Unmensch
un + mensch
Pejoration: grausamer Mensch
Unsumme
un + summe
Steigerung: sehr große Summe
UN
2 Buchstaben
Im Kreuzworträtsel: Verneinung (Vorsilbe) · nicht (Vorsilbe) · Vorsilbe der Verneinung · Vorsilbe: nicht
Quellen: DWDS/Pfeifer. Der Text ist eigene Formulierung, die Quellen dienen dem Beleg.
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