wortbaukasten

Griechisch trifft Latein

Viele Bausteine gibt es doppelt: einen aus dem Griechischen, einen aus dem Lateinischen, mit derselben Bedeutung. Welchen man nimmt, entscheidet die Herkunft des Grundworts. Hier stehen die Paare nebeneinander, mit der Faustregel für den richtigen Griff.

gegen etwas gerichtet; auch das strukturelle Gegenstück zu etwas bezeichnend.
Entfernen, Rückgängigmachen oder Beginn eines Zustands; ursprünglich entgegen.
Wann welcheranti- und das deutsche ent- sind urverwandt und meinen beide das Entgegen. anti- tritt im Deutschen nur vor Substantive und Adjektive (antiautoritär), ent- vor Verben (entgegnen). Vor dem Namen anti-, vor der Handlung ent-.
über das normale Maß hinaus, übermäßig; verstärkend.
über, oberhalb; verstärkend im Sinn von überaus, extrem, das bisher höchste Maß überschreitend.
Wann welcherIn gewachsenen wissenschaftlichen Begriffen, vor allem in Medizin und Chemie, steht meist das griechische hyper-. Das lateinische super- trägt die jüngeren und umgangssprachlichen Steigerungen. Hypertonie, aber Superlativ.
unter dem normalen Maß, darunterliegend; ein Nichterreichen oder eine Abhängigkeit ausdrückend.
unter, unterhalb; untergeordnet, eine niedrigere Ebene bezeichnend.
Wann welcherBeide meinen unter. In gewachsenen medizinischen und chemischen Fachbegriffen steht meist das griechische hypo- (Hypotonie, Hypothermie), in der Alltags- und Organisationssprache das lateinische sub- (Subkultur, Subvention).
allein-, einzel-, ein-; nur ein Einziges bezeichnend.
ein-, einzig, einheitlich; nur einmal vorhanden.
Wann welcherBeide meinen die Einzahl. mono- tritt zu griechischen Grundwörtern, uni- zu lateinischen. Monolog, aber Uniform. mono- betont oft das nur eine, uni- eher die Einheit aus vielem.
viel-, mehr-; aus vielen gleichartigen Teilen bestehend.
viel-, vielfach; aus vielen bestehend oder viele betreffend.
Wann welcherBeide meinen die Vielheit. poly- tritt zu griechischen Grundwörtern (Polygon, Polyphonie), multi- zu lateinischen (multifunktional, Multimedia). Die Wahl richtet sich nach der Herkunft des Grundworts, nicht nach der Bedeutung.